Unternehmer

Unternehmen Otto Group

23.02.20235 Minuten Lesezeit

Sie sind von ganzem Herzen Unternehmer. Haben Sie für Ihre Tätigkeiten eine Art Glaubensbekenntnis?

Integrität, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind Werte, die mir persönlich sehr wichtig sind. Soziales Engagement, Umweltschutz und ein faires Miteinander halte ich darüber hinaus für die tragenden Säulen unserer Gesellschaft. Was die Otto Group angeht, so finden sich diese Werte in der Unternehmenstätigkeit wieder. Die Otto Group steht für Tradition, Kontinuität und verantwortliches Unternehmertum. Diese Werte halte ich für die beste denkbare Basis für ein Unternehmen, gerade auch, wenn es darum geht, nachhaltig den Wandel mitzugestalten. Gleichzeitig ist es essentiell, Bewährtes auch zu hinterfragen und gegebenenfalls durch Neues zu ersetzen, Innovationen voranzutreiben und Bestehendes permanent zu verbessern. Es ist diese Kontinuität der Veränderung, die zur Kernqualität unseres Unternehmens wurde, die unsere Unternehmenskultur prägt und der wir treu bleiben.

Als Aufsichtsratsvorsitzender haben Sie sich 2007 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und kümmern sich nun verstärkt um strategische Themen. Was sind die zukünftigen Themen und Geschäftsfelder der Otto Gruppe?

Wir setzen weiterhin auf eine internationale Expansion unserer Geschäftstätigkeit, den Ausbau unserer verschiedenen Vertriebskanäle und die Stärkung unserer E-Commerce-Aktivitäten durch innovative Online-Geschäftsmodelle. Außerdem werden wir unser umfassendes Dienstleistungsangebot für den Handel entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter vorantreiben.

Sie haben bereits in den 80er Jahren den Schritt nach Asien getan. Welche Bedeutung hat der asiatische, speziell der chinesische Markt für Sie?

Indien und China sind und bleiben die großen Wachstumsmärkte. Auch für uns und nicht zuletzt auch getrieben durch unser Mandantengeschäft. Deshalb engagieren wir uns dort mit Joint Ventures und Kooperationen. Daneben setzen wir aber auch stark auf die Märkte in Brasilien, Russland und Türkei.

Warum profitiert Otto nicht stärker vom generellen Wachstum im Online-Handel?

Wir sind nach Amazon die Nummer zwei im europäischen Onlinehandel mit dem Endkunden und steuern unser Wachstum in diesem Bereich auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Wir setzen verstärkt auf die Vielfalt unserer Vertriebswege. Damit unterscheiden wir uns von manchen Wettbewerbern. Bei uns bestimmen die Kunden, ob sie im Internet bestellen, aus einem Katalog auswählen oder in einer unserer Filialen einkaufen. Es ist nicht unser vorrangiges Ziel, zum Beispiel Amazon einzuholen. Was uns antreibt, ist möglichst viele Menschen mit unserem Leistungsversprechen zu erreichen und zufrieden zu stellen. Die Otto Group versteht sich in erster Linie als Händler mit persönlichem Kundenservice.

Versandhandel und Internet – wie sieht die Zukunft des Katalogs aus?

Wir haben uns schon früh für das Multichannel-Modell entschieden: Katalog, Online und Stationär. Hohe Wachstumsimpulse bringt der E-Commerce. Das Kataloggeschäft wird weiter an Bedeutung abnehmen, auch wenn wir davon ausgehen, dass bestimmte Zielgruppen im Fashion- und Lifestyle-Bereich noch einige Zeit auf Kataloge als Werbemittel Wert legen werden. Neben dem Distanzhandel ist der Stationärhandel für uns ein wichtiges Standbein, das wir mittelfristig ausbauen wollen. Schließlich ist und bleibt der Stationärhandel der mit großem Abstand dominierende Vertriebsweg des Einzelhandels. Gesucht werden vor allem internationalisierbare Konzepte, die multichannelfähig sind.

Die traditionsreichen Versandhändler Neckermann und Quelle sind als eigenständige Unternehmen vom Markt verschwunden. Was hat die Otto Gruppe eigentlich anders gemacht?

Wir haben früher und viel stärker auf das Internet und die Internationalisierung gesetzt, und mit unseren verschiedenen Unternehmensmarken haben wir unterschiedliche Kundengruppen angesprochen. Das alles gibt uns größere Stabilität. Besonders wichtig war aber auch: Wir hatten stets eine hohe Kontinuität im Management. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Die Otto Group ist nach wie vor ein inhabergeführtes Unternehmen. Welche Vorteile sehen Sie für inhabergeführte Unternehmen bzw. Familienunternehmen in der gegenwärtigen Lage?

Unternehmer dürfen meiner Ansicht nach nicht nur an ihre Freiheit denken, sondern müssen sich auch ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und für die Umwelt bewusst sein. Wenn man nachhaltig gestalten will, braucht man nicht nur Entschlossenheit, sondern auch die unternehmerische Freiheit, langfristig zu denken. Vor allem börsennotierte Unternehmen sind im Zeitalter des "Shareholder Values” häufig unter Druck, kurzfristig zu denken und zu handeln, ihre Quartalsberichte sind alle drei Monate fällig.. Hier sehe ich einen klaren Vorteil der Familienunternehmen.

Wie würden Sie die Positionierung Ihres Konzerns beschreiben, auch im weltweiten Wettbewerb?

Wir sind finanziell gut gerüstet. Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht der Kunde. Seinen Wünschen wollen wir entsprechen. Deshalb stehen einerseits ein hohes Maß an Kontinuität, andererseits aber auch an Fortschritt und Veränderung bei uns im Fokus. Das fängt bei sehr speziellen und kreativen Angeboten im wachsenden E-Commerce an. Das A und O ist für uns aber der Service, den wir in unserem Konzern anbieten und kontinuierlich optimieren.

Sie haben in den vergangenen 30 Jahren aus einem mittelständischen Unternehmen einen Weltkonzern gemacht. Wie würden Sie das Zusammenspiel von Macht und Verantwortung definieren?

Auch wenn wir mittlerweile mit 30 wesentlichen Unternehmensgruppen in den Wirtschaftsräumen Deutschland, Europa und USA tätig sind, so ist die Otto Group doch nach wie vor ein Familienunternehmen. Macht steht bei uns weniger im Fokus. Wichtiger ist uns eine verantwortungsbewusste Wirtschaftstätigkeit. Natürlich müssen wir Gewinne machen. Die langfristige Wertsteigerung des Unternehmens ist mir aber wichtiger als der kurzfristige Profit. Deshalb achte ich sehr auf eine nachhaltige Entwicklung meines Unternehmens, das heißt, eine Ausgewogenheit zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Belangen. Und auf die Einhaltung von Werten.

Wie sehen Sie den Spagat, weltweit zu wachsen und gleichzeitig nachhaltig zu wirtschaften?

Ich sehe darin keinen Widerspruch. Als Unternehmer stehe ich für bestimmte Werte. Was mir besonders wichtig ist: Die Wirtschaft muss dem Wohle des Menschen dienen- nicht umgekehrt. Deshalb ist mir die Einhaltung definierter Umwelt- und Sozialstandards besonders wichtig. Wir achten darauf, dass wir mit dem Import von Handelswaren bei unseren Lieferanten gleichzeitig auch ökologische und soziale Standards umsetzen. Diese Werte fordern auch zunehmend unsere Kunden ein. Deswegen ist das geradezu die Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum.

Welche Bedeutung hat die Fürsorge eines Unternehmers für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der Dreh- und Angelpunkt unternehmerischen Erfolgs. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine hochaktuelle. Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend gute Fach- und Führungskräfte. Auch wir tun das. Wir müssen uns darüber hinaus aber auch noch aktiver als bisher um drei Gruppen von Mitarbeitern kümmern: Erstens müssen wir dafür sorgen, dass gut ausgebildete Frauen Führungsaufgaben mit der Zeit für ihre Kinder in Einklang bringen können. Zweitens müssen wir uns intensiver um die Integration von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund kümmern. Und drittens müssen wir dem demografischen Wandel entsprechend ältere Mitarbeiter länger im Arbeitsprozess halten und eine kluge Symbiose zwischen den Stärken der Jüngeren und der Älteren schaffen.

Wie stehen Sie zur Verantwortung des Einzelnen?

Wir pflegen bei Otto einen kooperativen Führungsstil mit der Zielsetzung, jedem Mitarbeiter möglichst viel Verantwortung zu übertragen. Neben dem Job stehen auch hier soziales Engagement, Umweltschutz und ein faires Miteinander im Mittelpunkt. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter darin, über ihre berufliche Tätigkeit hinaus auch Aufgaben in unserer Gesellschaft wahrzunehmen, die den genannten Werten entsprechen. Dies schafft einerseits eine höhere Motivation der Mitarbeiter, andererseits eine bessere Identifikation mit unserem Unternehmen.

Weltweit entscheiden Bürger und Politiker zunehmend nach ökologischen und sozialen Kriterien – welche Chancen bringt dies für Ihre Gruppe?

Bei uns gehört nachhaltiges, also umwelt- und sozialverantwortliches Handeln bereits seit Mitte der 80er Jahre zur Unternehmensstrategie. Diese lange Tradition macht uns glaubwürdig und hilft uns auch bei der Gewinnung neuer Kundengruppen, denn viele Menschen konsumieren heute bewusster als früher. Sie möchten ohne moralische Bedenken einkaufen und machen sich Gedanken über ihr Handeln und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ihre Kaufentscheidung treffen sie zunehmend zugunsten verantwortlich handelnder Unternehmen. Das freut uns und macht Mut, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Prof. Dr. Michael Otto als

Unternehmer

Prof. Dr. Michael Otto als

Bürger