Prof. Dr. Michael Otto vereint in seinem Handeln als Unternehmer verschiedene Prinzipien. Werteorientierung bei gleichzeitigem Wandel sind für ihn dabei kein Widerspruch. Neugierde und der Mut, nicht stillzustehen sondern auch das Bewährte weiter zu entwickeln, zeichnen ihn aus. Flexibilität, Agilität und Innovationsfreude entsprechen seiner kreativen unternehmerischen Ader. Weitsicht, Bodenhaftung und die Überzeugung, das langfristige Entscheidungen für den Bestand eines Unternehmens ebenso wie für die Mitarbeitenden und damit auch für die Gesellschaft besser sind als vom Shareholder Value getriebene kurzfristige Erfolge, sind Grundlage seines unternehmerischen Handelns
Brücken zu schlagen, Synergien zu heben und Neues zu wagen, all das hat seine unternehmerischen Aktivitäten stark geprägt. Immer gepaart mit dem festen Willen, die Wirtschaft zum Wohle der Menschen stetig weiterzuentwickeln, nachhaltig zu handeln und damit einen Beitrag zu einem fairen, gesellschaftlichen Miteinander zu leisten.
Michael Otto wurde das Unternehmertum in die Wiege gelegt. Sein Vater Werner Otto hatte nach dem Zweiten Weltkrieg einen Versandhandel gegründet, den er mit Einfallsreichtum und starkem Willen führte. Das Geschäft wuchs schnell. Werner Otto war bewusst, dass ein Unternehmer in Bewegung bleiben muss, um erfolgreich zu sein, dass er passende Antworten auf die aktuellen und zukünftigen Wünsche der Kunden finden muss und dass er zudem an das Wohl seiner Belegschaft denken sollte. So führte er zum Beispiel als erster in Deutschland 1950 die Bezahlung per Rechnung ein und 1956 die Fünf-Tage-Woche für alle Mitarbeitenden. „Mein Vater hatte viele Ideen und er war ein Macher, ein Umsetzer und Optimierer“, sagt Michael Otto.
Das Prinzip des Optimierens, des Dranbleibens – vereint mit einem tiefgehenden sozialen Verantwortungsbewusstsein – entsprach auch der Überzeugung von Michael Otto, als er 1971 als Vorstandsmitglied im Bereich Textileinkauf im Unternehmen der Familie Otto anfing. Und er entwickelte diese Prinzipien im Lauf der Jahre weiter, ergänzte das intuitive Gespür des Vaters für die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit mit strategischem Denken. „Analytische und kreative Prozesse gehören zusammen“, sagt er. Was dieser Ansatz im Alltag bedeutet, offenbarte sich auf unterschiedliche Weise spätestens ab 1981, als Michael Otto Vorstandsvorsitzender der Otto Gruppe wurde.
Um kreative, unternehmerische Antworten auf die Bedürfnisse der Kunden und die Probleme der Welt zu finden, müssen Unternehmer Risiken eingehen und agil auf die stets neuen Herausforderungen des Marktes reagieren können. Das war Michael Otto immer bewusst. Die Risiken und die Fähigkeit zum schnellen Handeln dürfen aber nie das Unternehmen in seiner Gesamtheit gefährden. Deswegen diversifizierte er die Otto Group durch branchenübergreifende Zukäufe und die Gründung von Start-ups, erschloss neue Märkte, erweiterte den Kundenstamm. Er traf Entscheidungen, die nachhaltig waren und langfristig den Erfolg des Unternehmens sichern sollten. So entstand aus dem ehemaligen Katalogversender ein weltweit agierender, digitaler Handels- und Dienstleistungs-Konzern mit heute rund 36.000 Mitarbeitenden und einer Vielzahl wesentlicher Unternehmen, Marken und Beteiligungen in den Segmenten Plattformen, Markenkonzepte, Händler, Services und Finanzdienstleistungen.
Vor Michael Ottos Lebensleistung empfinde ich tiefen Respekt. Er ist ein Unternehmer mit Weitblick und Mut. Schon in den 1990er Jahren erkannte er die Chance des E-Commerce und entwickelte die Otto Group zu einer weltweit agierenden Handels- und Dienstleistungsgruppe.
Susanne Klatten, Aufsichtsrätin der BMW Group und der ALTANA AG
2025 übergab Michael Otto den Vorsitz des Aufsichtsrats der Otto Group an Alexander Birken. Im März 2026 übergibt Michael Otto den Stiftungsratsvorsitz der Michael Otto Stiftung, die mehrheitlich die Gesellschaftsanteile an der Otto Group hält, den Gesellschafterratsvorsitz und somit auch die strategische Führung der Unternehmensgruppe an seinen Sohn Benjamin Otto.
Weitblick und Mut, Entscheidungen zu treffen, zeigen sich in Michael Ottos Karriere auf vielfache Weise. Schon früh setzte er sich etwa für ökologisch verantwortliches Handeln ein. Das begann in den 1970er Jahren mit Projekten wie zum Beispiel dem Einsatz von recycelter Kartonage im Versandhandel. Bereits 1986 wurden nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz zu einem weiteren Unternehmensziel erklärte. Danach wurden die Prozesse in allen Bereichen schrittweise verändert und das Sortiment der verkauften Ware auf umweltschädliche Herstellungsprozesse überprüft. Unter welchen Umständen wird etwa die verwendete Baumwolle hergestellt, gesponnen und später gefärbt? Und welche Möglichkeiten gibt es, diese Verfahren umweltfreundlicher zu gestalten? Mit diesem Ansatz war Michael Otto damals ein von Unternehmerkollegen belächelter Exot. Heute liegt der Konzern in Sachen ökologischer Verantwortung weit vor vielen anderen. Auch weil Michael Otto nie vergaß, neben dem Umweltschutz die ökonomischen Interessen des Unternehmens im Blick zu halten. Die Balance zwischen ökologischer und ökonomischer Verantwortung muss gewahrt bleiben. Denn ein insolventes Unternehmen hilft weder der Umwelt noch den Menschen und der Gesellschaft. Die Otto Group konnte auf diesem Weg wichtige ökologische Meilensteine erreichen.
Für das textile Sortiment an Eigen- und Lizenzmarken verwendet die Otto Group heute fast ausschließlich nachhaltig angebaute Baumwolle, der Anteil liegt bei 98 Prozent. Auch das Ziel, die eigene Geschäftstätigkeit und Klimaschutz in Einklang zu bringen, begleitet die Otto Group seit Jahrzehnten. Die CO₂-Emissionen in der eigenen Geschäftstätigkeit wurden von 2006 bis 2020 mehr als halbiert. Als wichtigen Schritt auf dem Weg dahin wurde ein ambitioniertes near-term Science-Based Target (SBT) entwickelt, mit dem die gesamte Wertschöpfungskette adressiert wird. Langfristig strebt das Unternehmen über den near-term SBT hinaus an, bis 2045 Netto-Null-Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen.
Auch sichere und faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferketten sowie für die eigenen Mitarbeitenden hatte Michael Otto seit vielen Jahren im Blick. Die Einhaltung sozialer Standards und der Vorgaben zu Umweltschutz und Arbeitssicherheit ist ihm wichtig. Die Otto Group bietet in den Lieferketten bereits seit Jahrzehnten Weiterbildungsmaßnahmen und Workshops an, um Themen wie Angemessene Löhne, Arbeitssicherheit oder Kinderfreie Produktion bei den Lieferanten voranzubringen.
"Für die ökologische Transformation der Wirtschaft brauchen Unternehmen charismatische und glaubwürdige Führungsfiguren, die es ernst meinen. Michael Otto ist dafür ein Beispiel", sagt Dr. Maja Göpel, deutsche Politökonomin, Transformationsforscherin und Nachhaltigkeitsexpertin.
Ein weiteres Feld, auf dem Michael Otto im Rahmen des operativen Geschäfts immer wieder Weitblick bewiesen hat, ist das der Innovation.
„Dr. Otto ist immer auf der Höhe der Zeit, gerade über technologische Veränderungen weiß er so gut wie alles“, sagt Alexander Birken, langjähriger CEO und heutiger Aufsichtsratsvorsitzende der Otto Group
Ab den 1980er Jahren reiste Michael Otto mit Vorstandsmitgliedern aus der Otto Group in die USA – ins Silicon Valley und an die Ostküste. Er besuchte Start-ups und innovative digitale Unternehmen, um die neuesten Trends in der IT aufzuspüren. Auch deshalb hatte die Otto Group schon Mitte der 1990er einen Online-Shop. In einer Zeit also, als nur etwa 250.000 Deutsche einen Internetanschluss hatten. Aufgrund seiner Innovationsfreude und der Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen, Trends zu erkennen und langfristig zu denken, unterstützte er immer wieder auch unternehmerische Experimente, die Chancen aber auch die Möglichkeit des Scheiterns in sich trugen. Auf diese Weise schuf oder unterstützte Michael Otto immer wieder Entwicklungsvorsprünge und Strukturen, die die Wucht des digitalen Wandels der letzten Jahrzehnte nutzten. Durch seine Neugierde im Hinblick auf technischen Fortschritt und den Willen, am Puls der Zeit zu sein, profitiert das Unternehmen bis heute.
Sein Wissen, seine Erfahrung und sein Verantwortungsgefühl für die Umwelt und für soziale Belange bringt Michael Otto auch außerhalb der Unternehmensgrenzen ein. Er ist Mitbegründer und Initiator zahlreicher wegweisender Initiativen der deutschen Wirtschaft. Darunter die amfori Business Social Compliance Initiative (amfori BSCI), die seit 2001 Unternehmen mit einem Verhaltenskodex dabei unterstützt, die sozialen Standards entlang der verschiedenen Lieferketten zu verbessern. Durch Michael Ottos Einsatz entstand zudem die Stiftung KlimaWirtschaft, ein Zusammenschluss deutscher Unternehmen, die sich für eine Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft einsetzt. Oder das Hamburger Hauptschulmodell, das in Zusammenarbeit mit Hapag Lloyd vor allem Hauptschülern den Berufseinstieg erleichtern soll. Dieser Einsatz zeigt ein weiteres Prinzip, das Michael Otto über seine Karriere immer wieder betont hat: Die Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt. Fordern und Fördern schließen sich dabei nicht aus. Michael Otto schätzt Eigenverantwortung und eigene Initiative.
Durch die Nachhaltigkeitsthemen und die Person Michael Otto, der den Typus des gemeinwohlorientierten, ehrbaren Kaufmanns verkörpert, ist es der Otto Group gelungen, sich kulturell in der Sozialen Marktwirtschaft zu verorten. Und dass es diesem Unternehmen gelungen ist, die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen, ist bemerkenswert.
Prof. Dr. Harald Welzer, Mitbegründer und Direktor von „FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit“
Für sein Engagement für Umwelt und Gesellschaft erhielt Michael Otto 2006 das Bundesverdienstkreuz mit Stern.
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